Zizat: Das Museum ohne Eintritt ist das Museum der Zukunft

Warum nimmt das Stadthaus für Ausstellungen keinen Eintritt?

"Das Museum ohne Eintritt ist das Museum der Zukunft," sagte Hans Ottomeyer, Direktor i. R. des Dt. Historischen Museums Berlin, im dapd-Interview im März 2011.

Das Stadthaus ist ein bürgerschaftliches Projekt. Viele Ulmerinnen und Ulmer haben es von Anfang an mit Begeisterung mitgetragen, anderen wurde der Meier-Bau geradezu abgerungen. Viele haben sich inzwischen mit ihm versöhnt, wie wir jeden Tag spüren dürfen. Das Stadthaus ist ein Ort der Gegenwart und der Kommunikation. Es soll und will der Bürgerschaft, die so sehr darum gerungen hat, das Maximale zurückgeben. Deshalb ist es richtig, dass der Eintritt in die Ausstellungen frei ist.

eingetretene Haustür mit Schild "Türe muss immer geschlossen bleiben"

Das Haus soll zugänglich auch denen sein, die zunächst gar nicht wegen der Ausstellungen kommen. Gelingt es uns, auch diese Besucher dafür zu gewinnen, ist es das schönste Erfolgserlebnis.

Als vor 200 Jahren die ersten öffentlichen Sammlungen in Deutschland gegründet wurden, war dies ein Akt der Demokratie. Sie sollten nicht mehr nur für Adlige, Reiche und Mächtige sein, sondern für alle. Heute allerdings ist, wie der ZEIT-Kritiker Hanno Rauterberg richtig feststellte, "das Museum ein Ort der Abgrenzung, der unsichtbaren Sozial- und Klassenschranken". Wenngleich es doch mit Steuergeldern, also vom Gemeinwesen finanziert wird.

Die Londoner Museen machen seit zehn Jahren vor, dass es auch anders geht: Im Britischen Museum, im Naturhistorischen Museum, in der National Gallery, im Victoria & Albert Museum, in den Tate-Galerien ist der Eintritt in die ständigen Sammlungen frei. Die Besucherzahlen sind seitdem um 80% und mehr gestiegen. Das Victoria & Albert Museum vermeldete sogar über 150% mehr Besucher. Finanziert werden diese Museen über Spenden, Sponsoring und Umsätze von Shops und Museumscafés sowie selbstverständlich mit öffentlichen Geldern, etwa aus Staatlichen Lotterie-Einnahmen.

Davon abgesehen: In nicht wenigen Museen übersteigen die Kosten fürs Kassenpersonal die Eintrittseinnahmen. Oft werden gerade mal um die fünf Prozent des Gesamtetats eines Hauses über Eintritte erwirtschaftet. Da ist es uns erheblich mehr wert, dass das Stadthaus kein "Ort der Abgrenzung" ist. Jeder normal oder gar gut verdienende Besucher kann und soll, unkontrolliert und aus freien Stücken, ein paar Euro in die bereitstehenden Boxen werfen.

Dies wünscht sich:
Karla Nieraad

Ausstellungsbesuche bilden!

Ingeborg Keski, die das Stadthaus regelmäßig besucht, schätzt vor allem die Möglichkeit des intensiveren "zweiten Blicks".

Frau Keskis Brief an Frau Nieraad im angehängten PDF


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