Fotoapperate hinterm Zaun: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Warum darf man im Ausstellungsbereich des Stadthauses nicht fotografieren?

Kunst darf ohne Erlaubnis ihres Schöpfers, dessen geistiges Eigentum sie ist, nicht „reproduziert“ werden. Gemälde, Skulpturen, Fotografien sind urheberrechtlich geschützt, genauso die Baukunst Architektur, Schriftwerke, Musik, Choreografien oder Filme. Erst 70 Jahre nach des Künstlers Tod sind seine Werke zum Abschuss frei. Solange er noch lebt, vertraut der Künstler die Wahrung seiner Rechte einer Verwertungsgesellschaft an - meistens.

Fotoapperate vor dem Bauch. Foto: Ingrid Leuze

Jeder hat zum Beispiel schon von der GEMA gehört, die, teils empfindlich hohe, Gebühren für die Verwendung von Musik einzieht. Im Kino gar wird dem geneigten Publikum gedroht, jeder Versuch, den nachfolgenden, nach § 2 Abs. 1 Nr. 6 UrhG geschützten Film mitzuschneiden, werde zur Anzeige gebracht. Hier möchte man einwenden, dass die großen Verwertungsapparate inklusive Verlagskonzerne und Plattenindustrie erheblich mehr an Einnahmen, etwa aus Lizenzen, verschlingen, als je beim „kleinen“ Künstler ankommt. Aktuell mischt Google als nächster in der Verwertungskette die Verlage auf, weil es Bücher zu Tausenden ins Internet stellt. Wer verdient am meisten am Werk des Künstlers?

Wie auch immer, unser Künstler, Komponist, Schriftsteller muss schließlich auch von seiner Arbeit leben. Er schenkt uns, was er erschaffen hat, aber wir dürfen uns dessen nicht bemächtigen. Freiwildes Abfotografieren zeitgenössischer Kunstwerke ist deshalb nicht erlaubt (nicht mal als Hintergrundeko für ein Foto von der netten Begleiterin) beziehungsweise in einigen Ausnahmefällen dann doch, manchmal mit, manchmal ohne Gebühr.
Ein Ausstellungshaus ist verpflichtet, darauf zu achten, dass die Rechte des Künstlers, dessen Werke es vorübergehend in seiner Obhut hat, gewahrt sind. Andernfalls macht es sich schadensersatzpflichtig. In unserem Fall eines städtischen Ausstellungshauses würde für den Schadensersatz letztlich, mal wieder, der Steuerzahler aufkommen. Wer will das schon.

Deshalb weisen unsere Aufsichten darauf hin, dass das Fotografieren in den Ausstellungen nicht gestattet ist.
Ihre Karla Nieraad

Zum Weiterlesen: Den Kampf eines Komponisten, der seine Musik im Internet kostenlos und frei zugänglich machen möchte, beschreibt sehr lesenswert Bob Ostertag in „The Professional Suicide of a Recording Musician“: http://www.bobostertag.com/writings-articles-professional_suicide.htm

Love In Vain

Unsere Besucherin Inge Cizilo stellt klar, das Urheberrecht nutzt nicht denen, die Werke schaffen, sondern denen, die die Verwertungsrechte besitzen. Außerdem: Fremdes Eigentum kann man sich "ordentlich" aneignen, wie die Rolling Stones bewiesen haben.

Frau Cizilos ganze Replik im angehängten PDF


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