Erhältlich im Stadthaus/Katalogstand Ebene 3 und im Buchhandel für 5 € pro Band. Zu bestellen auch bei stadthaus@ulm.de (zzgl. 3,50 € Porto und Verpackung).
Über Adorée Villany, Sent M'ahesa und junge Sterne am Himmel der Tanzkunst
ISBN 978-3-934727-57-1
Über Gurus und Scheinheilige, frischen Wind und Claire Bauroff aus Neu-Ulm
ISBN 978-3-934727-58-8
Über Mary Wigman, Gret Palucca, Felix Klee und Helge Peters Pawlinin. Und Ulm. Mit Gastauftritten von Harald Kreutzberg und Dore Hoyer
ISBN 978-3-934727-59-5
"Als die Tänzerinnen mutig und die Sittlichkeitsapostel in Ulm dünn gesät waren" – das ist der Titel des ersten von drei neuen Büchlein aus der Reihe edition stadthaus. Alle geschrieben von Karla Nieraad. Seit Jahrzehnten begleitet die Stadthaus-Leiterin das Thema Tanz – jetzt legt sie Geschichten vom Tanz in Ulm vor, vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis 1945.
Typisch für Ulmerinnen und Ulmer sei ihre Neugier auf Neues, schreibt Nieraad, und diese weist sie ihnen auch schon am Beginn des 20. Jahrhunderts nach. Damals zeigten sich Stadtgesellschaft und Presse überraschend liberal und aufgeschlossen für die Darbietungen neuer, freier Tänzerinnen wie Madame Saharet, Adorée Villany und Sent M'ahesa. "In Ulm war man kulturell am Puls der Zeit". Mindestens einmal pro Saison stand eine berühmte Tanzkünstlerin auf der Bühne des Ulmer Stadttheaters. 1907 war es Adorée Villany. In"einen Hauch von Nichts" gehüllt, bot sie orientalische Tänze dar: "Der Abend war eine Sensation". Nieraad hat Villanys Geschichte recherchiert und stellt sie als verblüffend emanzipierte, willensstarke und auch humorvolle Tabubrecherin vor.
Im zweiten der jeweils knapp 70 Seiten schmalen, von Grafiker Eduard Keller hochwertig gestalteten und mit zahlreichen historischen Abbildungen versehenen Bände erzählt Nieraad verschmitzt und kurzweilig vom Zeitgeist, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Gymnastik- und Ausdruckstanzbewegung hervorbrachte. Von charismatischen Propheten eines neuen Menschen wie Johannes Guttzeit, Gustav Nagel oder auch Rudolf Steiner. Und vom Film "Wege zu Kraft und Schönheit", der anlässlich des Landesturnfestes 1925 in den Ulmer Kammerlichtspielen gezeigt wurde – in seiner unzensierten Fassung mit viel nackter Haut.
Nieraad beschreibt, wie sich die neuen Heilslehren der Reformzeit in Ulm ausprägten: In den Gymnastikräumen im Zeughaus etwa, wo Ulms höhere Töchter sich zwischen Kursen nach den Regeln der modernsten Bewegungslehren entscheiden konnten. Oder für eine der privaten Tanzschulen, zum Beispiel die von Anne Eiting in der Wohnung ihrer Eltern in der Ulmer Wengengasse. "Wir sind hier nicht beim Ballett!" pflegte Eiting zu rufen, wenn eine ihrer Schülerinnen ins Posieren verfiel. Ein eigenes Kapitel widmet Nieraad einem hiesigen Ausnahmetalent: Der Neu-Ulmer Tänzerin Claire Bauroff.