Ulmer/Neu-Ulmer Arbeitskreis 27. Januar
Candelabro - Aristides de Sousa Mendes

Aristides de Sousa Mendes (ASM) war im Juni 1940 portugiesischer Generalkonsul in Bordeaux . In dieser dramatischen Zeit trafen über eine Millionen Menschen, darunter viele Jüdinnen und Juden, auf der Flucht vor den Nazis aus zahlreichen Ländern Europas in der südfranzösischen Stadt ein. Sie hofften, über Portugal aus Europa fliehen zu können, nachdem die Deutsche Wehrmacht Belgien, die Niederlande und Nordfrankreich besetzt hatte.

Sie benötigten dazu Visa, doch hatte der portugiesische Diktator António de Oliviera Salazar bereits im November 1939 seinen Diplomaten verboten, derartige Visa auszustellen. De Sousa Mendes geriet in ein existentielles Dilemma. Der gläubige Katholik musste zwischen seinen Grundwerten und den Befehlen Salazars entscheiden. Nach dreitägigem Gewissenskampf entschied er sich, Salazar nicht zu gehorchen. Zwischen dem 17. und 23. Juni 1940 stellte er unzählige Visa aus und rettete damit tausende Leben.

2019 beauftragte die New Yorker "Sousa Mendes Foundation" den renommierten Künstler Werner Klotz (Berlin/New York), eine Videoskulptur zu erarbeiten, die diese drei Tage der Entscheidung von Aristide de Sousa Mendes zum Thema hat. Es entstand ein fast vier Meter hohes Werk aus poliertem Edelstahl mit 13 Monitoren, das 2021 zunächst in Portugal (Peniche und Lissabon), anschließend in Bordeaux gezeigt wurde und nun nach Ulm kommt.

Unser Gast an diesem Abend, Dr. Jennifer Hartog (Toronto), ist äußerst engagiert, die Geschichte von Aristides de Sousa Mendes in ein breites Bewusstsein zu holen. Zehn ihrer Familienmitglieder wurden durch Mendes' Visa gerettet.
Nach einer Begrüßung durch Oberbürgermeister Gunter Czisch geht es in der Gedenkveranstaltung am 27. Januar um in Geschichte wie Gegenwart brennende Fragen. Woher kam dieser Mut? Welche Entscheidungsprozesse fanden statt? Warum begeben sich auch heute Menschen in Gefahr, um unmenschliche Regime und totalitäre Strukturen zu bekämpfen oder Verfolgten und Geflüchteten zu helfen?

Im Anschluss an diesen ersten Teil des Abends, in dem auch die historischen Hintergründe aufgezeigt werden, wird die Präsentation der Skulptur mit musikalischer Umrahmung durch die Komponistin und Sängerin Almut Kühne im Münster eröffnet.

Begrüßung: Oberbürgermeister Gunter Czisch

Die Videoskulptur ist vom 27. Januar 2023 bis 13. März 2023 in der Turmhalle des Ulmer Münster zu besichtigen.

Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. 1996 erklärte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum bundesweiten Gedenktag. An diesem Tag soll "der Opfer des NS-Rassenwahns und Völkermords und der Millionen Menschen gedacht werden, die durch das nationalsozialistische Regime entrechtet, verfolgt, gequält oder ermordet wurden. Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen." (aus der Proklamation)

Ulmer/Neu-Ulmer Arbeitskreis 27. Januar: 
Deutsch-Israelische Gesellschaft Ulm/Neu-Ulm, Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg (DZOK), Evangelische Gesamtkirchengemeinde Ulm, Förderverein Neue Synagoge Ulm e.V., Katholische Gesamtkirchengemeinde Ulm, Stadt Neu-Ulm: Abteilung Kultur-Schule-Sport und Stadtarchiv, Stadt Ulm: Zentralstelle Öffentlichkeitsarbeit, Haus der Stadtgeschichte - Stadtarchiv und Stadthaus, vh ulm und Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – BdA Ulm.