Fotografie / photography
13. Mai 2023 - 13. August 2023
Johanna-Maria Fritz: Like a Bird
Zirkuskultur in islamischen Ländern

Stelzenläufer auf der Straße neben Militärfahrzeug
Gazastreifen, Palästina. © Johanna-Maria Fritz
Ein Clown in einem bewaffneten Konflikt oder auch ein vollverschleiertes Mädchen, das Keulen jongliert: Wenn die Krise zum Normalzustand wird, entwickeln Momente der Leichtigkeit eine ganz besondere Magie, wie das Langzeitprojekt "Like a Bird" von Johanna-Maria Fritz eindrücklich beweist.

Surreal und traumhaft wirken die Szenen, die die Fotografin in Afghanistan, Dagestan, dem Gazastreifen, Indien, Indonesien, Iran oder auch dem Senegal aufgenommen hat. In diesen muslimisch geprägten Ländern entdeckte Fritz eine Zirkuskultur, die inmitten schwierigster Lebensumstände wichtige Freiräume des Selbstausdrucks schafft sowie einer tief verwurzelten Sehnsucht nach Frieden und Freiheit Ausdruck verleiht.
Vollverschleierte Frau jongliert
Afghanistan. © Johanna-Maria Fritz

Fernab von romantischen Klischees und Aufnahmen, welche die oftmals prekären Lebensumstände der Zirkusleute ausstellen, erschließt sich Johanna-Maria Fritz mit ihrer Kamera einen gesellschaftlichen Mikrokosmos, der Außenstehenden oft verborgen bleibt. Like a Bird zeigt Zirkusse, die unter widrigen Voraussetzungen existieren – sei es in Form von bewaffneten Konflikten oder sehr restriktiven, religiös geprägten sozialen Kontexten. Während Zirkusschulen in Afghanistan Kindern und speziell jungen Mädchen einen Zugang zu Bildung sowie die Möglichkeit bieten, sich in einem geschützten Raum auszuprobieren, neue Fähigkeiten zu erlangen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken, dient der Zirkus in Gaza als ein Zufluchtsort, der es seinen Mitgliedern und dem Publikum gleichermaßen erlaubt, den Härten des Alltags für wenige Stunden zu entkommen. Dass die Zirkuswelt aber nicht nur Ablenkung, sondern immer auch eine Reflektion der gesellschaftlichen Bedingungen ist, verdeutlichen die Aufnahmen aus Iran, welche die staatlich propagierten Rollenbilder subtil unterwandern.

Mit einfühlsamen Porträts, inszenierter Performance-Fotografie und dokumentarischen Bildern stellt Johanna-Maria Fritz Gemeinschaften vor, die in Momenten des gesellschaftlichen Wandels und Situationen der politischen Krise einerseits alte Traditionen bewahren, andererseits aber auch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufrechterhalten und vermitteln.

Biografie Johanna-Maria Fritz

Die 1994 in Baden-Baden geborene Johanna-Maria Fritz erhielt ihre fotografische Ausbildung an der renommierten Ostkreuzschule in Berlin, wo sie heute auch lebt – wenn sie denn in Deutschland ist. Fritz reist seit rund zehn Jahren in die verschiedensten Regionen der Welt, um dort als Dokumentarfotografin Ereignisse, Lebenswelten und Menschen abzulichten, die in der öffentlichen Wahrnehmung häufig übersehen werden.

 

Kuratorin: Daniela Yvonne Baumann

Eröffnung: Freitag, 12. Mai 2023, 19 Uhr