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12. Dezember 2021 - 13. März 2022
Debi Cornwall: Welcome to Camp America: Inside Guantánamo Bay
ERÖFFNUNG vom Oktober 2020 VERSCHOBEN auf Dezember 2021

Drahtkäfig und zwei Baracken: Frischluft-Zellen im Camp Echo, Guantánamo Bay. (c) Debi Cornwall
Frischluft-Zellen im Camp Echo, Guantánamo Bay
Foto: Debi Cornwall
Mit „Welcome to Camp America: Inside Guantánamo Bay“ präsentiert das Stadthaus Fotografien, die einen der berüchtigtsten Orte der jüngsten amerikanischen Geschichte erkunden: die US-Marinebasis in Guantánamo Bay auf Kuba. Im Jahr 2002 erlangte der Stützpunkt internationale Bekanntheit, als das amerikanische Militär dort im Rahmen des globalen „Krieg gegen den Terror“ ein Gefangenenlager errichtete. Bilder von Insassen in orangefarbener Häftlingskleidung, die in der prallen Sonne in Drahtkäfigen ausharren, gingen um die Welt und sorgten zusammen mit Berichten über die Anwendung von Folter für weltweite Kritik und Diskussionen über die Menschenrechtssituation vor Ort. Doch trotz der damals breiten medialen Berichterstattung hat sich das Interesse an den Bedingungen für die derzeit 40 verbliebenen Gefangenen schnell verflüchtigt.
Drei Soldaten bei der Zigarettenpause, von hinten fotografiert, mit Blick aufs Meer. (c) Debi Cornwal
Zigarettenpause Camp America, Kuba 2014
Foto: Debi Cornwall

Sehr vage Vorstellungen von der aktuellen Situation prägen das öffentliche Bild des Gefängnisses, und angesichts einer zunehmenden Anzahl von Terroranschlägen in Europa scheinen kritische Stimmen beinahe verstummt.

„Welcome to Camp America“ zeigt Fotografien der amerikanischen Künstlerin und früheren Bürgerrechtsanwältin Debi Cornwall (*1973). Sie untersucht die persönlichen Erfahrungen von "Gitmo" aus verschiedenen Blickwinkeln und berücksichtigt sowohl die Perspektiven von Gefangenen und Wachen als auch von ehemaligen Insassen, die zwischenzeitlich entlassen und nach Hause zurückgebracht oder in Drittländer überstellt wurden.

Artikel für den persönlichen Komfort der Gefangenen: Schuhe, Hygieneartikel, Unterwäsche. (c) Debi Cornwall
Artikel für den persönlichen Komfort der Gefangenen, Camp 5, US Marinestützpunkt Guantánamo Bay, Kuba 2015
Foto: Debi Cornwall

In ihren konzeptuell-dokumentarisch angelegten Bildern erkundet Cornwall diesen Ausnahmezustand menschlichen Seins und verbindet dabei Empathie mit systemischer Kritik. Ihre Aufnahmen vermeiden stereotype Ansichten und ermöglichen es dem Betrachter, sich aktiv mit der komplexen Geschichte, der nuancierten Wahrheit und den Widersprüchen dieses sehr speziellen Ortes auseinanderzusetzen und sich gleichzeitig mit universellen Fragen zu Gerechtigkeit, individuellen Rechten, Sicherheit und Menschlichkeit zu befassen.

Murat, ehemaliger Gefangener, von hinten, in einem Containerdorf. (c) Debi Cornwall
Murat, Deutschtürke. Flüchtlingsberater. In Gefangenschaft: 4 Jahre, 7 Monate, 22 Tage. Freilassung: 24. August 2006, Anklage wurde nie erhoben.
Foto: Debi Cornwall

Debi Cornwall kehrte nach einer zwölfjährigen Karriere als Bürgerrechtsanwältin erst 2014 zur Fotografie und Kunst zurück. Basierend auf intensiven Recherchen schafft sie aus Fotografie, Video, Archivmaterial und Zeitzeugenberichten Installationen, die Empathie und Systemkritik verbinden. Die Ulmer Ausstellung wird ihre erste in Deutschland sein. Kooperationen mit Fotografiemuseen in Charleroi/Belgien sind schon vereinbart bzw. in Verhandlung (Niederlande).

Projektleitung: Daniela Baumann