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Neue Musik
22. November 1996 - 24. November 1996
Russische Moderne

Zunächst gezwungen, sich mit der dogmatischen Musik-Ästhetik des sozialistischen Realismus auseinanderzusetzen, fanden russische Komponistinnen und Komponisten erst seit der Öffnung der UdSSR die gebührende Anerkennung im Westen.

Zum Beispiel bei Frangis Ali-Sade, die sich, aus Aserbaidschan stammend, dem muslimischen Kulturkreis zugehörig fühlt, wurde die Beschäftigung mit westlicher Kompositionstheorie und eigener musikalischer Tradition besonders deutlich.

Neben der schon bekannten Sofia Gubaidulina stand die inzwischen 76-jährige Galina Ustwolskaja, die „geheimnisvolle Eremitin“ der russischen Musik, im Zentrum. Sicher trug neben ihrer absoluten Öffentlichkeits-Abstinenz auch ihre archaisch anmutende Klangsprache zur Legendenbildung bei.
Ihre Musik ist höchst eindringlich, manchmal schockierend und immer von expressiver Emotionalität und einer tiefen Spiritualität geprägt. Schon die Besetzung der „Komposition Nr. 2, Dies Irae“ mit 8 Kontrabässen, Klavier und Holzkubus, spricht für sich.