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Neue Musik
19. März 1999 - 20. März 1999
SurReal

Momente zwischen Sprache und Musik

„Dem Menschen wurde die Sprache gegeben, damit er einen surrealistsichen Gebrauch davon mache“, postulierte André Breton im 1924 erschienenen „Ersten Surrealistsichen Manifest“.

Von den mannigfaltigen Möglichkeiten, die die Verbindung von Sprache und Musik bietet, wurden einige grundlegende erlebbar:
Ein Text kann Ausgangsmaterial sein, Motivation, oder, wie Wolfgang Rihm sagt, „Anlass“ zu einer Komposition. Im Werk selbst erscheint er dann nicht mehr. Auch können Textpassagen in Originalform einzelnen Musikpartien ergänzend voran- oder dazwischengestellt werden. Eine teilweise oder völlige Dekonstruktion des Textes bis zur Auflösung ins rein Klangliche führt zu Formen neuer Kammermusik, wie wir sie hier etwa bei Scelsi oder Tan Dun erleben konnten. Oder auch zu den unterschiedlichen Ausprägungen von sogenannter „Sound Poetry“.

Sprache zeigt hier auf faszinierende Weise: Losgelöst vom Alltagsgebrauch kann ihre oftmals verschüttete Schönheit enthüllt werden. Laute, Bruchstücke aus Wörtern und Sätzen erfahren eine neue Bedeutung. Es eröffneten sich jene von den Surrealisten geforderten Ausblicke auf weitere Ebenen der Realität – auf eine SurRealität.