außer der reihe
08. November 2020 - 10. Januar 2021
Thomas Kahl, der unbekannte Forscher
Ab 8. November nochmals im Programm!

Thomas Kahl, Brot
Thomas Kahl, Brot
Als „Brotmaler“ wurde er bekannt. Doch der 2017 allzu früh verstorbene Thomas Kahl war mehr, und das hat die Ausstellung gezeigt, die wir in Zusammenarbeit mit der Galerie Tobias Schrade Anfang März 2020 eröffnet haben. Nach nur einer Woche mussten wir die Ausstellung coronabedingt wieder schließen. Über Facebook hat Projektleiter Raimund Kast viele von Kahls Werken vorgestellt, doch der virtuelle Rundgang kann den echten, den analogen Ausstellungsbesuch, das direkte Aufsichwirkenlassen eines Bildes nicht ersetzen. Daher hat das Stadthaus seinen Ausstellungsplan für den Herbst 2020 umgestellt und wird die Ausstellung ab 8. November 2020 bis Jahresanfang 2021 nochmals zeigen.
Ein blaues Brot von Thomas Kahl in Mariposa, Teneriffa. Foto: Raimund Kast
Thomas Kahl: PAN, Kulturpark Mariposa, Teneriffa (1994/95)
© Raimund Kast

Geboren 1963 im sächsischen Zittau kam Thomas Kahl 1980 nach Ulm. Hier gründete er zusammen mit Peter Knabl und Patrick Pilsl die Künstlergruppe „Die fantastischen Vier“, die sich 1992 nach ihrem damals neuen Domizil, der alten Kraftfahrzeughalle „links vom ROXY“ in „Künstlergruppe Kradhalle“ umbenannte. "Links vom Roxy" wollte die Gruppe durchaus auch politisch verstanden haben. In der Kradhalle fanden Kahl und seine Künstlerkollegen, zu denen nun auch Andrew Greif stieß, den nötigen Freiraum für ihre Aktivitäten. Mit Ausstellungen in Köln, Zürich, Mailand oder Rom feierten die Vier internationale Erfolge.

Thomas Kahl schuf ebenso unernste wie aufsässige Foren ironischen Umgangs mit dem herrschenden Kunstbetrieb. Er hielt, wie es der frühere Stadthausleiter Elmar Zorn einmal ausdrückte, „den Stachel der Nichtangepasstheit über die Jahre gezückt“.

Der Autodidakt Kahl war weit mehr als nur ein kreativer Querkopf: Er war ein Künstler, der viel las und recherchierte; doch eine Erklärung zu seinen Bilder lieferte er fast nie. Und er war ständig auf der Suche nach Dingen, aus denen Gemälde, Collagen, Papierarbeiten oder Dioramen entstehen konnten.

Thomas Kahl war auch Musiker und Veranstalter. Er organisierte Pop-, Indie- und Hiphop-Konzerte in der Kradhalle, schuf kreative Freiräume für andere. Während die anderen Kradhallen-Künstler im Laufe der Jahre nach Berlin abwanderten, blieb Kahl Ulm bis zuletzt treu.

"Die große Kumpanei" Brotmaschinen-Installation von Thomas Kahl
Thomas Kahl: Die große Kumpanei
© Martina Strillic/Galerie Tobias Schrade

In Zusammenarbeit mit der Galerie Tobias Schrade zeigt das Stadthaus eine Thomas-Kahl-Werkschau mit Malerei, Objekten und Installationen aus verschiedenen Schaffensperioden. Zu sehen sind zum Beispiel großformatige, zu Pop-Art-Ikonen gewordene, comichaft vereinfachte Brote, die mit einem tiefgründigen Subtext und mannigfachen Verweisen auf die Kunstgeschichte oder politischen Anspielungen versehen sind. Kahls Brotmaschinen-Installation „Die Große Kumpanei“ ist im Stadthaus auf der dritten Ebene raumfüllend zu sehen.

Im Wissen um seinen baldigen Tod fertigte Kahl zuletzt Totentanz-Collagen und kleine Dioramen aus Plastikfiguren. Auch sie sind in der Ausstellung vertreten.

Szenerie mit Tod in einer Gaststube
Thomas Kahl: Totentanz
© Martina Strilic

Das liebevoll gemachte Buch zum Werk des Künstlers, herausgegeben von der Galerie Tobias Schrade, ist in der Ausstellung und über die Homepage des Stadthauses erhältlich:
Thomas Kahl, der unbekannte Forscher.

38 € (ggf. zzgl. Porto und Verpackung)

Thomas Kahl - Der unbekannte ForscherKatalog bestellen

Projektleiter: Dr. Raimund Kast

 

Sonntag, 27. Dezember 2020, 14 Uhr
Führung durch die Ausstellung
mit Dr. Raimund Kast
Reservierungen hier